CIN-Bilder Magazin
Ausgabe vom 29. Januar 2001


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Tübinger Schüler demonstrierten gegen Rechts
 
Neujahrsempfang auf dem Tübinger Rathaus
 
"Chor der Mönche" wurde zehn Jahre alt
 
Schülerdemo
gegen Rechts
am 26.01.2001 (40 sec)
Als "Stream" (Real-Video)
Als "Download" (732 KB)
Auch Lehrer und Passanten schlossen sich dem Schülerprotest an.

Zur Demonstration "gegen Nazis und Gewalt" hatten am Freitag die Schüler-Mitverwaltungen (SMV) der Tübinger Schulen aufgerufen. Mit großer Resonanz, denn bei dem Protestzug wurden nahezu 2000 Teilnehmer(innen) gezählt.

Wir haben die Demonstranten bei ihrem Zug durch die Innenstadt und auf der anschließenden Kundgebung auf dem Holzmarkt begleitet.


Bis auf einen pöbelnden Punk kam es zu keinen weiteren Zwischenfällen.

Gegen 13.40 Uhr setzte sich der Zug vom Sammelplatz in der Karlsstraße in Richtung Neckarbrücke und Mühlstraße in Bewegung. Dann bog er (gegen die Fahrtrichtung) in den Stadtgraben ein und schließlich ging es in die Lange Gasse.

Der Ablauf und die Verkehrsregelung waren vom Ordnungsamt und der Polizei (die auch einen störenden Punk für die Dauer der Ansprachen entfernte) sehr gut organisiert, so dass die Demo bereits eine halbe Stunde früher als geplant um 14.30 Uhr den Holzmarkt erreichte.

Kundgebung
gegen Rechts
am 26.01.2001 (37 sec)
Als "Stream" (Real-Video)
Als "Download" (668 KB)
"Hannah vom Keppi" hielt eine bemerkenswerte Rede.

Die Zeit bis zum Beginn der Reden überbrückte "Halfstrong", die Band des Wildermuth-Gymnasiums. Dann sprach die israelische Rechtsanwältin und Trägerin des alternativen Nobelpreises Felicia Langer. Ihr folgten Elke Begander vom Verein für Friedenspädagogik, Johannes Mahn und Steffi Fischbach von der Initiative "Kein Mensch ist illegal" sowie Ingeborg Höhne-Mack von der Lebenshilfe.

Gellende Pfiffe erhielt Oberbürgermeisterin Brigitte Russ-Scherer, die offenbar einen Redebeitrag zu- und dann aus terminlichen Gründen wieder abgesagt hatte.


Noch ein gelungener Schlusspunkt: die Band der Hauptschule Innenstadt.

Nach dem Auftritt der Band der Hauptschule Innenstadt ergriff die Schulsprecherin des Kepler-Gymnasiums Hannah Höchner das (Schluss-)Wort.

Eigentlich schade, dass bei einer Schülerdemo die Vertreterin der Hauptteilnehmer erst als letzte zu Wort kam. Schade vor allem deswegen, weil die engagiert, mitreißend und vor allem in der richtigen Länge (bzw. Kürze) vorgetragene Rede nicht die Zuhörerzahl erreichte, die sie verdient hätte. Denn nahezu die Hälfte der Leute waren zu diesem Zeitpunkt bereits schon abgewandert.

Links zum Thema:
Fotos + Bericht: cityinfonetz
  Zur Rechten sieht man wie zur Linken / Einen halben Türken heruntersinken. Burgschauspieler Martin Schwab deklamierte Uhlands "Kaiser Rotbart lobesam"
(Mitschnitt als Real-Audio)


Drangvolle Enge herrschte am letzten Freitagabend auf dem Tübinger Rathaus. Brigitte Russ-Scherer hatte die Bürgerschaft zum Neujahrsempfang der Oberbürgermeisterin geladen. Unter den zahlreichen Gästen auch viele Promis. Allen voran natürlich die Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin, das Ehepaar Jens, die Schar der Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie die Bewerber für die im März anstehende Landtagswahl etc. etc.

Sehen und gesehen werden lautet wohl ein Motto solcher Veranstaltungen zu Jahresbeginn. Doch zunächst hieß es zuhören. Denn wie im vergangenen Jahr hatte die Rathauschefin einen kleinen kulturellen Programmpunkt an den Anfang gesetzt. Der Burgschauspieler Martin Schwab trug Balladen und Gedichte deutscher Klassiker vor. Das Spektrum reichte von Goethe, Schiller über Fontane bis Wilhelm Busch. "Wenn Schwab zu den Schwaben kommt", und dann speziell nach Tübingen, durfte natürlich auch Ludwig Uhland nicht fehlen.


Neujahrsempfang 2001
Ansprache von Brigitte Russ-Scherer
(21 min 17 sec)
OB Brigitte Russ-Scherer bei ihrer Rede. Der "Stream" beginnt nach ca. 10 sec zu spielen.

Wahrscheinlich ist es viele Jahre her, seit zum letzten Mal bei einer derartigen Veranstaltung "Kaiser Rotbart lobesam / Zum heil'gen Land gezogen kam". Bekanntlich erhub sich damals "große Not / Viel Steine gab's und wenig Brot". Halb entsetzt, halb amüsiert bemerkte man aber im weiteren Verlauf der Ballade, wie sich der wackre Schwabe gegen die Übermacht der Feinde zur Wehr setzte und einen Türken mit einem kräftigen Streich mitten durch hieb. Alsbald sah (oder besser: hörte) man auf dem Tübinger Rathaus "zur Rechten ... wie zur Linken / Einen halben Türken heruntersinken"....Oh weh, Herr Uhland, ob das heute noch political correct ist? Und was werden dazu unsere türkischen Mitbürger sagen? Allzuviele waren aber offensichtlich nicht zum Neujahrsempfang erschienen. Deshalb schließen wir an dieser Stelle ganz schnell wieder mit Uhland: "Die Streiche sind bei uns im Schwang / Sie sind bekannt im ganzen Reiche / Man nennt Sie halt nur Schwabenstreiche."

Auf die Schwab(ischen) Moritaten folgte die große Rede der Oberbürgermeisterin, die einer wichtigen Frage gewidmet war: Braucht Tübingen ein neues Leitbild? Ist es etwa heute noch sinnvoll, Ziele für die Stadtentwicklung in 30 Jahren vorzugeben? Oder ist unsere Zeit für solche langfristigen Perspektiven nicht längst zu schnell-lebig? Ist nicht oft morgen schon Makulatur, was gestern noch richtig schien?

Alle waren gekommen: Ehrenbürger Erwin Geist, Justizministerin Däubler-Gmelin, MdB Winfried Hermann. (v.r.n.l.).

Die Antwort fiel zunächst nicht leicht. Denn immer wieder konnte Russ-Scherer selbst Beispiele aus der Geschichte anführen, die gerade letzteres zu beweisen schienen. Pläne hatte man immer wieder geschmiedet. Doch gekommen war es dann ganz anders. Wer hätte etwa gedacht, dass der Beschluss von 1968, den Stadtfriedhof ein für alle Mal zu schließen, schon 2001 revidiert und der alte Begräbnisplatz wieder geöffnet würde?

Brigitte Russ-Scherer: "Vieles ist ganz offensichtlich nicht so gekommen, wie wir es uns ausgemalt hatten ... [Doch] selbst wenn sich die Veränderungen in Zukunft voraussichtlich noch schneller , noch tiefgreifender und noch viel weniger kalkulierbar vollziehen: Wir brauchen wieder längerfristig ausgerichtete Planungen, um die Chancen wahrnehmen und die Zukunft unserer Stadt selbst gestalten zu können... Ich bin überzeugt: wer sich keine Ziele setzt, wird nichts erreichen."

Gesichtet: Wirtschaftsbürgermeister Eugen Höschele.

Noch vor der Sommerpause soll es eine Auftaktveranstaltung geben, bei der die Bürger über die Ausgangslage informiert werden. Dann soll sich ein breit angelegter demokratischer Prozess anschließen, an dessen Ende ein neues Leitbild Tübingen 2030 stehen wird.

Aus dem CIN-Bilder Archiv:
Fotos + Bericht: cityinfonetz
  Ein Bild mit Seltenheitswert: alle ehemaligen und aktiven Mönche gemeinsam auf der Bühne.

"10 Jahre - und doch kein bisschen heiser" - unter diesem Motto feierte am letzten Sonntag der Chor der Mönche sein zehnjähriges Bestehen im Lindenhof-Theater.

Der Ort des Geschehens war mit guten Grund gewählt worden, denn das a capella-Männerquartett formierte sich 1990 aus den singenden Mönchen und Instrumentalisten bei "Jerg Ratgeb", dem Sommertheater der Melchinger auf dem Ammerhof.

Chor der Mönche
Jubiläumskonzert
Ausschnitt "Tuba"
(47 sec)
Als "Stream" (Real-Video)
Als "Download" (821 KB)
Von Anfang an dabei: Michael Niethammer, hier bei einer Liebeserklärung an seine Tuba.

Anlässlich des runden Geburtstages waren nicht nur die Familien, Freunde und Fans, sondern auch sämtliche ehemaligen Mitglieder des Ensembles anwesend. Und diese ließen es sich nicht nehmen, gemeinsam mit der aktuellen Besetzung (auf dem Bild oben mit Frack) noch einmal auf die Bühne zu steigen und den "kleinen grünen Kaktus" anzustimmen. Unser Bild oben zeigt von links nach rechts: Wolfgang Vogt, Jens Hummitzsch, Michael Niethammer, Thomas Veitshans, Bernhard Mohl, Klaus Rother, Frank Schlichter und Herbert Carl.

Chor der Mönche
Jubiläumskonzert
Ausschnitt "Beatles "
(35 sec)
Als "Stream" (Real-Video)
Als "Download" (635 KB)
Eine sprachlich-musikalische Kostbarkeit: Ein Beatles-song, a capella und auf Schwäbisch vorgetragen.

Und die Bilanz der inzwischen "weltlich" gewordenen Mönche kann sich sehen lassen: Rund 150 Auftritte kamen in den zurückliegenden 10 Jahren zusammen, die hauptsächlich durch das "Ländle", aber auch nach Bayern, ins Rheinland und sogar bis nach Teneriffa führten.

Auch im Radio (SWR) und beim Südwest-Fernsehen ("Mundart am Mittwoch") ist man bereits auf das Quartett aus Tübingen und Mössingen aufmerksam geworden.

Chor der Mönche
Jubiläumskonzert
Ausschnitt "Mönche "
(44 sec)
Als "Stream" (Real-Video)
Als "Download" (798 KB)
Das Schlusslied mit augenzwinckender Eigenwerbung.

Und so konnte es nicht ausbleiben, dass inzwischen auch die erste "cantus diskus" (CD) mit dem Titel "Liaber a offene Gosch" erschienen ist. Übrigens hätten die Mönche auch recht gerne eine eigene Homepage. Den erforderlichen Webspace dazu spendiert cityinfonetz bei den "Bands der Region". Gesucht wird jetzt nur noch ein Html-Künstler, der Zeit, Lust und das erforderliche Know-how für die Gestaltung der Seiten hat. Wer sich dafür interessiert, sollte doch einmal eine Mail an die Redaktion schreiben.

Link zum Thema: Fotos + Bericht: cityinfonetz
 

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