CIN-Bilder Magazin
Ausgabe vom 19. Februar 2001


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Massenandrang beim Kiebinger Monster-Wels
 
Der Europaplatz und seine bessere Vergangenheit
 
"Kasper und der Gurkenräuber" in der Tübinger Puppenbühne
 
In dem 45 cm breiten Maul des Monsters verschwanden sogar große Wasservögel.

Der Riesenwels, dessen Fang im Sommer letzten Jahres deutschlandweit für Aufsehen sorgte, schlägt auch weiterhin hohe Wellen. Denn seit letztem Samstag ist er als Präparat für die Dauer einer Woche in einer eigens eingerichteten im Kiebinger Rathaus zu sehen.

Ein totes Rotauge (eine Weissfischart) an diesem Hakensystem wurde dem erfahrenen Jäger zum Verhängnis.

Der Rekordfisch war in den späten Abendstunden des 20. Julis 2000 zwei Gastfischern des Kiebinger Fischereivereins an den Haken gegangen. Nach gut einer Stunde aufregenden Drills konnten sie den ca. 30 bis 40 Jahre alten Waller am Neckarufer unterhalb des Kiebinger Stauwehrs an Land ziehen. Der sensationelle Fang wies eine Länge von 2,47 Metern und ein Gewicht von 89 Kilogramm auf.

Anschließend ging der Prachtskerl auf die Reise nach Österreich, wo er in einem auf Gefriertrocknung basierenden Verfahren für rund 10.000 Mark präpariert wurde.

Bereits am ersten Tag kamen über 1000 Besucher aus dem gesamten süddeutschen Raum.

Bevor der bärtige Riese - nunmehr Eigentum des Fachmagazins "Blinker" - zur Fachmesse "Aqua Fisch" Anfang März nach Friedrichshafen weiterzieht, macht er nun eine gute Woche lang Zwischenstopp in der Nähe seiner alten "Wirkungsstätte".

Dort kann er zusammen mit zusätzlichen Informationen über seine Gattung bewundert werden. Zusätzlich hat der örtliche Fischereiverein auch noch allerlei Wissenswertes über die einheimische Fauna und Flora am Neckar sowie weitere Trophäen aus dem Kiebinger Wasser zusammengetragen.

Blick vom Kiebinger Wehr. 300 Meter flussabwärts wurde der Superfisch gefangen.

INFO: Von der Ortsdurchfahrt einfach den Schildern mit dem Wels folgen. Der Eintritt ist kostenlos, Spenden für die Umgestaltung des Kiebinger Schulhofs werden jedoch gerne angenommen.

Die Ausstellung ist noch zu den folgenden Terminen geöffnet: Am Montag, Dienstag und Mittwoch von 10 bis 12 Uhr und dann wieder von 14 bis 18 Uhr. Donnerstag und Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 17 Uhr und Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

Aus dem CIN-Bilder Archiv: Link zum Thema:
Fotos + Bericht: cityinfonetz
  Europaplatz heute (oben) und vor drei Jahren.

Vergangene Woche wurde der Neubau der Post-Unfallkasse fertiggestellt. Damit hat der Ostrand des Europaplatzes ein völlig neues Gesicht aus Stahl und Glas erhalten. Eine Endlösung wird die gegenwärtige Situation allerdings nicht darstellen, denn der Busbahnhof soll über kurz oder lang auf einen Bruchteil seiner heutigen Größe schrumpfen und anschließend mit einem Kaufhaus bebaut werden. Bis es allerdings soweit ist, werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen. Genug Zeit, um eine kleine Rückschau auf die Geschichte des Europaplatzes zu halten.

Der Europaplatz Ende der fünfziger Jahre, rechts die alte Kastanienallee, im Hintergrund die Allee zum Uhlanddenkmal, links kaum sichtbar der Hauptbahnhof.

Seine Entstehung verdankt der Platz der Errichtung des Hauptbahnhofs. Mit dessen Fertigstellung im Jahr 1861 blieb davor ein langgezogenes Dreieck übrig. Es wurde im Süden durch den Bahnhof selbst und im Norden durch die alte Kastanienallee begrenzt. Ein paar Jahre später pflanzten die Stadtväter zwischen Bahnhof und Uhlanddenkmal (von 1873) eine weitere Allee. Sie verlief fast im rechten Winkel zur alten. Städtebaulich hatte man damit eine sehr zufriedenstellende Lösung gefunden: Wer aus dem Bahnhof herausstrat, den empfing eine kleine Parklandschaft, hinter der sich die nahegelegene Stadt fast komplett verbarg.

Noch 1929 beschrieb der Architekt Franz Bärtle in der Tübinger Chronik die Ankunft eines Reisenden auf dem Hauptbahnhof (Ausgabe vom 11. Februar): "Wo ist denn Tübingen? Fragt der Fremde. Eine monumentale Ruhe umfängt ihn, die nach der mehr oder weniger langen Eisenbahnfahrt um so wohltuender ist. Der Blick trifft eine zusammenhängende Rasenfläche mit einem Abschluss durch eine Kastanienallee. Mit den einfachsten Mitteln ist hier ganz hervorragendes geschaffen worden. Und hinter dieser Überraschung wird wohl die Stadt zu suchen sein!"

Noch überall grüner Park, Stadtplan von 1950.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der kleine Park vorm Bahnhof sogar noch kräftig aufgewertet und um den Anlagensee erweitert. Dieses Projekt hatte einen tiefsinnigen Hintergrund: Inmitten der sich kräftig ausdehnenden Stadt wollten die Stadtväter für immer eine grüne Lunge erhalten. Die neue Parkanlage auf dem "Mittleren Wöhrd" belegten sie deshalb mit einem dauernden Bauverbot.

Dieser Wunsch geriet allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend in Vergessenheit. Ende der fünfziger Jahre beschloss der Gemeinderat den Bau eines gigantischen Busbahnhofes. Mit seiner Fertigstellung im Dezember 1960 hatte sich der grüne Bahnhofs-Vorplatz auf einen Schlag in eine einzige Asphaltwüste verwandelt. Damit nicht genug, wurde die Parkfläche durch den Neubau des Gesundheitsamtes und der AOK noch weiter dezimiert. Auch auf die alte Kastanienallee von 1819 glaubte man jetzt verzichten zu können. Sie fiel der Umgestaltung der Grünanlagen Anfang der sechziger Jahre zum Opfer.

Asphaltwüste Omnibusbahnhof, Anfang der sechziger Jahre.

Voller Stolz auf das gelungene Werk gab man dem Omnibusbahnhof 1966 den Namen Europaplatz. Schließlich wollte man der herrschenden Europa-Begeisterung den richtigen Ausdruck verleihen. Was heute schon fast zum Spott reizt, war damals völlig ernst gemeint: Der wohl hässlichste Platz der Stadt, zugig und unwirtlich, stand symbolisch für den Aufbruch in eine neue, bessere Zeit.

Aus dem CIN-Bilder Archiv:
Bericht: cityinfonetz
Fotos: cityinfonetz + Stadtarchiv
 
"Kasper und der Gurkenräuber"
Ausschnitt 1 (42 sec)
Als "Stream" (Real-Video)
Als "Download" (751 KB)
"Seid Ihr alle da"? Diese Frage konnte mit einem eindeutigen "Jaaah!" beantwortet werden.

1980 wurde die Tübinger Puppenbühne als eine Initiative von Eltern gegründet. Inzwischen ist sie ein eingetragener Verein, der mit dem "Vorstadttheater" ein eigenes und unabhängiges Privattheater betreibt.

Und dies mit beachtlichem Erfolg, denn in dem kleinen Gebäude auf dem Tübinger Loretto-Areal finden inzwischen jährlich ca. 120 Vorstellungen aus dem gesamten Gebiet der Kleinkunst statt.

"Kasper und der Gurkenräuber"
Ausschnitt 2 (42 sec)
Als "Stream" (Real-Video)
Als "Download" (758 KB)
Vor Räuber Jaromir war in der gesamten Nachbarschaft kein Gurkenglas sicher.

Am letzten Sonntagvormittag gab es nun die Premierenvorstellung des neuen Stückes "Kasper und der Gurkenräuber". Die Handlung war nicht ohne aktuellen Bezug zur gegenwärtigen Fasnetszeit: Da sauer bekanntlich lustig macht, hatte der Räuber Jaromir die Gurkengläser in der gesamten Nachbarschaft gestohlen, um sich über den Verlust seines weggelaufenen Krokodils zu trösten. Aber Kasper konnte mit Unterstützung des "Hilfspolizisten" Seppel rasch Abhilfe schaffen.

Trotz zusätzlicher Sitzgelegenheiten reichte der Platz bei der Premiere nicht aus.

Der Andrang der jungen (und alten) Premierengäste war so groß, dass die 65 Plätze des kleinsten Tübinger Theaters schon lange vor Vorstellungsbeginn ausverkauft waren. Kurzerhand wurde im direkten Anschluss an die Premiere eine weitere Vorstellung angesetzt, so dass sich für alle geduldig vor dem Theater ausharrenden Besucher das Geheimnis um die verschwundenen Gurkengläser lüftete.

Ralf Mück und Helga Steinhilber liehen Kasperle & Co Arme und Stimme.

Auch am Schluss des Stückes gab es noch einmal ein dichtes Gedränge. Da nämlich traten Ralf Mück (Bild) und seine Puppenspiel-Partnerin Helga Steinhilber zusammen mit den "Akteuren" vor die Bühne. Und keiner der Fan-Gemeinde wollte sich die Gelegenheit entgehen lassen, den Helden des Stückes zum Anfassen nahe zu sein.

Info: Die Stream-Versionen der Videoclips haben erheblich kürzere Ladezeiten, der Download hingegen die deutlich bessere Qualität. Die Basic-Version des Real-Players kann kostenlos hier heruntergeladen werden.

Links zum Thema:
Bericht: cityinfonetz
Fotos + Videos: cityinfonetz
 

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