Diele im ersten Obergeschoss der Mensa "Prinz Karl". Hier wurden die Malereien entdeckt.
Bei der Sanierung der Mensa "Prinz Karl" sind die Bauarbeiter auf einen
spektakulären Fund gestoßen: An einer Wand in der Diele des ersten
Stocks kamen unter einer fünf Zentimeter dicken Putzschicht alte
Wandmalereien zum Vorschein. Nach Ansicht des Restaurators Rüdiger
Widmann stammen sie aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Seinen
Worten zufolge ist dieser Wandschmuck in einem ehemaligen Privathaus
"für Tübingen einmalig und auch in der weiteren Umgebung etwas ganz
Besonderes".
Detail aus der Wandmalerei: Wachposten mit Dreispitz-Hut.
Bei dem überraschenden Fund handelt es sich nämlich nicht um die
üblichen ornamentalen Darstellungen, wie sie an Decken und Wänden in
jener Zeit häufig zur Ausführung kamen. Stattdessen wurde jetzt eine
üppige Grisaillenmalerei freigelegt.
Der jahrhundertelang unter mehreren Putzschichten verborgene Wandschmuck
erstreckt sich bislang über drei Gefache und ist leider sehr beschädigt.
Die Reste eröffnen dennoch einen faszinierenden Einblick in die Tübinger
Wohnkultur nach dem Dreißigjährigen Krieg. Mit etwas Fantasie wird man
sich vorstellen dürfen, dass die ganze Diele mit solchen Malereien
ausgeschmückt war. Damit ergäbe sich für den Raum ein Eindruck, wie er
bislang nur vom Öhrn des Rathauses überliefert ist.
Die Grisaillen waren unter mehreren Putzschichten verborgen.
Wegen der vielen Fehlstellen im Wandbild bedarf es einer kleinen
"Sehhilfe", um den ungefähren Inhalt der Darstellung zu erfassen: Durch
die Szene zieht sich - über einem Gewässer - ein hölzerner Steg, auf dem
sich allerhand Volk tummelt. Im Hintergrund erstreckt sich eine
Landschaft mit zwei größeren Bergen. Der Himmel darüber ist blau. Am
rechten Bildrand erkennt Widmann deutlich einen uniformierten Wachposten
mit Dreispitz-Hut. In der Blickrichtung des Soldaten ist eine große
Fehlstelle zu beklagen. Mit "viel Fantasie", so der Restaurator, kann
man auf dem grauen Fleck gerade noch das Hinterteil eines Pferdes
ausmachen, das einst wohl eine bedeutende Figur über den Steg getragen
hat. Links der Fehlstelle wäre dann das zugehörige Gefolge zu erkennen:
Soldaten mit Musketen und Helebarden sowie weitere Begleiter in reichen,
wallenden Gewändern.
Der Restaurator Rüdiger Widmann bei der Arbeit. Die entdeckten Grisaillen sollen sichtbar erhalten bleiben.
Doch trotz der vielen erkennbaren Details ist es schwierig, der
abgebildeten Szene einen eindeutigen Inhalt zuzuweisen. Sinn und Zweck
des Gemäldes geben dagegen etwas weniger Rätsel auf: Wahrscheinlich
diente die großzügige Diele im ersten Obergeschoss dem Empfang von
Besuchern, die bei dieser Gelegenheit erst mal beeindruckt werden
sollten, bevor man sie in weitere Gemächer vorließ.
Blickt man in das Tübinger Häuserbuch des Stadtarchivs, stößt man auf
betuchte Eigentümer, die einen derart repräsentativen Aufwand pflegen
konnten. 1645 - kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges - kam die
Hafengasse 6 in den Besitz von David Bayer, Hofgerichtsadvokat und
Assessor am Reichskammergericht. Der neue Eigentümer und seine Familie
ließen sich für längere Zeit in der Hafengasse nieder. In der Folge wurde das
Anwesen deshalb meist als die "Bayerische Behausung" bezeichnet. Gut
möglich, dass David Bayer oder sein Sohn Philipp Jakob die Grisaillen in
Auftrag gaben. Beide kannten als Hofgerichtsadvokaten den Öhrn auf dem
Tübinger Rathaus, der ihnen als Vorbild dienen mochte.
Welcher Künstler die Grisaillen ausgeführt hat, wird wohl allerdings ihr
Geheimnis bleiben. Jakob Züberlin, der Meister vom Rathaus-Öhrn, war
1607 schon gestorben. Er kann deshalb wohl kaum für die Arbeit in der
Hafengasse in Anspruch genommen werden.
Die jetzt aufgedeckten Malereien werden in den kommenden Wochen
gründlich restauriert. Denn sie sollen auch künftig als "Schaufenster
zur Hausgeschichte" sichtbar bleiben.
Bericht: Udo Rauch
Fotos: cityinfonetz
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Der Turm der Stiftskirche ist um fast 15 Meter höher geworden.
Einige unserer Leser haben es sofort gemerkt, viele sind uns jedoch auf den Leim gegangen: Bei dem folgenden Artikel über den Mobilfunkmast auf dem Turm der Stiftskirche handelte es sich natürlich um einen Aprilscherz. Der mittels Photoshop auf den Kirchturm montierte Mast stammt vom Österbergturm (CIN-Magazin vom 19. März 2001), das Bild von den Bauarbeiten wurde bei der Renovierung im letzen Jahr aufgenommen (CIN-Magazin vom 27. März 2000). Das von uns etwas retuschierte Bild vom Protestplakat ist aktuell. Es hängt in der Froschgasse.
Mitten hinein in die heftige Diskussion um die Strahlungsgefahren der "Handy-Funktürme" innerhalb der Tübinger Wohngebiete platzte die Nachricht wie eine Bombe: Auf dem Turm der historischen Stiftskirche wurde bei (im wahrsten Sinne des Wortes) Nacht und Nebel ein Mobilfunkmast errichtet.
In den frühen Abendstunden begannen die Bauarbeiten.
Die Betreiber der Anlage begründeten das von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Genehmigungsverfahren und dessen außergewöhnlich rasche Umsetzung mit der unhaltbaren Situation für die Handy-Benutzer im Gebiet der Altstadt. Denn die hohen Häuser und verwinkelten Gassen würden einen akzeptablen Empfang nahezu unmöglich machen. Dies aber sei gerade angesichts der zur Zeit heftigst geführten Diskussion über die Attraktivität des historischen Stadtkerns für Handel und Gewerbe unabdingbar.
Die Anwohner zeigten sogleich ihren Unmut über die neue Turmspitze.
Dieses kompromisslose und rigorose Vorgehen der Mobilfunker wird sicherlich heftige Reaktionen bei den Masten-Gegnern hervorrufen.
Ein durchaus positiver Aspekt in dieser Affäre soll jedoch nicht verschwiegen werden: Knapp die Hälfte der zu erwartenden Einnahmen ist für die Instandhaltung des von Holzwurmfraß bedrohten historischen Chorgestühles vorgesehen.
Die neue Silhouette der Altstadt erscheint stark gewöhnungsbedürftig.
Link zum Thema:
Fotos + Bericht: cityinfonetz
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Die Rottenburger Tierschutzgruppe stellt sich vor.
Anfänglich aus einer privaten Initiative entstanden, ist die "Rottenburger AKTIVE Tierschutzgruppe: Tiere in Not" nunmehr seit Anfang des Jahres ein eingetragener Verein. Und dieser Tage wurde der inzwischen 30 Mitglieder zählenden Gruppe die Gemeinnützigkeit bestätigt.
Ein Vereins- bzw. Tierheim gibt es (noch) nicht. Die in Obhut genommenen Tiere verteilen sich auf rund 10 private Pflegestellen.
Tierpsychologin Nicole Kammerer (links) und die 1. Vorsitzende Roswitha Bailer.
Der neue Verein legt besonderen Wert auf den AKTIVEN Tierschutz, wie zum Beispiel die Soforthilfe bei ausgesetzten und verletzten Tieren, die Aufzucht und Vermittlung mutterloser Jungtiere und die kompetente Vermittlung aller Tierarten mit Tierschutzverträgen.
Für Tiere, die vom Verein in Pflege genommen wurden, kann bis zu deren Vermittlung eine sogenannte Patenschaft übernommen werden. Als Dankeschön für die Unterstützung in Form von Tätigkeits-, Geld- und Sachleistung gibt es übrigens eine Urkunde mit Bild des Patentieres.
Die Jugendgruppe mit zwei 16 Wochen alten Kampfhundwelpen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Jugendarbeit. Für das laufende Jahr hat die Jugendgruppe eine Menge an Aktivitäten rund um das Thema Tierschutz geplant. So will man gemeinsam die Wilhelma in Stuttgart und einen Wanderzirkus besuchen, Nisthilfen für Vögel und Spielzeug für Heimtiere bauen, und sogar eine eigene Jugendzeitung für den Tierschutz ist vorgesehen.
Das erste Treffen soll am 5. Mai 2001 um 16 Uhr in Tübingen - Hirschau auf dem Platz
der Tübinger Hundeschule (Rittweg 53) stattfinden.
Die Tierschutzberaterin Frau Bönig ist für den Außendienst zuständig.
Die Rottenburger Tierschützer wollen jedoch nicht nur auf bereits vorhandene Probleme reagieren, sondern auch aktiv im Vorfeld aufklären und beraten. So sollen regelmäßig Themenabende stattfinden, die sich mit Problemen rund um den Tierschutz wie zum Beispiel mit der Kampfhundverordnung beschäftigen.
Und wie fast alle gemeinnützigen Vereine ist auch die Tierschutzgruppe auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen. Besonders dringend wird zur Zeit ein geeignetes Fahrzeug für den Einsatz im Tierschutz benötigt.
INFO: Weitere Auskünfte können unter 07472 - 281704 erfragt werden. Für dringende Fälle gibt es ein Beratungstelefon rund um die Uhr unter 07472-441314.
Der Mitgliedsbeitrag beträgt 50.- DM im Jahr, Schüler und Studenten bezahlen 30.- DM, Familien 80.- DM.
Näheres zu den Themenabenden gibt es auf der Website (Adresse siehe unten).
Link zum Thema:
Fotos + Bericht:
cityinfonetz
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