CIN-Bilder Magazin
Ausgabe vom 02. April 2001


Bildersuche in
älteren Ausgaben

Wandmalereien im "Prinz Karl" entdeckt
 
APRIL, APRIL...
Ein Funkmast auf dem Turm der Stiftskirche
 
Rottenburg hat jetzt einen Tierschutzverein
 
Diele im ersten Obergeschoss der Mensa "Prinz Karl". Hier wurden die Malereien entdeckt.

Bei der Sanierung der Mensa "Prinz Karl" sind die Bauarbeiter auf einen spektakulären Fund gestoßen: An einer Wand in der Diele des ersten Stocks kamen unter einer fünf Zentimeter dicken Putzschicht alte Wandmalereien zum Vorschein. Nach Ansicht des Restaurators Rüdiger Widmann stammen sie aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Seinen Worten zufolge ist dieser Wandschmuck in einem ehemaligen Privathaus "für Tübingen einmalig und auch in der weiteren Umgebung etwas ganz Besonderes".

Detail aus der Wandmalerei: Wachposten mit Dreispitz-Hut.

Bei dem überraschenden Fund handelt es sich nämlich nicht um die üblichen ornamentalen Darstellungen, wie sie an Decken und Wänden in jener Zeit häufig zur Ausführung kamen. Stattdessen wurde jetzt eine üppige Grisaillenmalerei freigelegt.

Der jahrhundertelang unter mehreren Putzschichten verborgene Wandschmuck erstreckt sich bislang über drei Gefache und ist leider sehr beschädigt. Die Reste eröffnen dennoch einen faszinierenden Einblick in die Tübinger Wohnkultur nach dem Dreißigjährigen Krieg. Mit etwas Fantasie wird man sich vorstellen dürfen, dass die ganze Diele mit solchen Malereien ausgeschmückt war. Damit ergäbe sich für den Raum ein Eindruck, wie er bislang nur vom Öhrn des Rathauses überliefert ist.

Die Grisaillen waren unter mehreren Putzschichten verborgen.

Wegen der vielen Fehlstellen im Wandbild bedarf es einer kleinen "Sehhilfe", um den ungefähren Inhalt der Darstellung zu erfassen: Durch die Szene zieht sich - über einem Gewässer - ein hölzerner Steg, auf dem sich allerhand Volk tummelt. Im Hintergrund erstreckt sich eine Landschaft mit zwei größeren Bergen. Der Himmel darüber ist blau. Am rechten Bildrand erkennt Widmann deutlich einen uniformierten Wachposten mit Dreispitz-Hut. In der Blickrichtung des Soldaten ist eine große Fehlstelle zu beklagen. Mit "viel Fantasie", so der Restaurator, kann man auf dem grauen Fleck gerade noch das Hinterteil eines Pferdes ausmachen, das einst wohl eine bedeutende Figur über den Steg getragen hat. Links der Fehlstelle wäre dann das zugehörige Gefolge zu erkennen: Soldaten mit Musketen und Helebarden sowie weitere Begleiter in reichen, wallenden Gewändern.

Der Restaurator Rüdiger Widmann bei der Arbeit. Die entdeckten Grisaillen sollen sichtbar erhalten bleiben.

Doch trotz der vielen erkennbaren Details ist es schwierig, der abgebildeten Szene einen eindeutigen Inhalt zuzuweisen. Sinn und Zweck des Gemäldes geben dagegen etwas weniger Rätsel auf: Wahrscheinlich diente die großzügige Diele im ersten Obergeschoss dem Empfang von Besuchern, die bei dieser Gelegenheit erst mal beeindruckt werden sollten, bevor man sie in weitere Gemächer vorließ.

Blickt man in das Tübinger Häuserbuch des Stadtarchivs, stößt man auf betuchte Eigentümer, die einen derart repräsentativen Aufwand pflegen konnten. 1645 - kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges - kam die Hafengasse 6 in den Besitz von David Bayer, Hofgerichtsadvokat und Assessor am Reichskammergericht. Der neue Eigentümer und seine Familie ließen sich für längere Zeit in der Hafengasse nieder. In der Folge wurde das Anwesen deshalb meist als die "Bayerische Behausung" bezeichnet. Gut möglich, dass David Bayer oder sein Sohn Philipp Jakob die Grisaillen in Auftrag gaben. Beide kannten als Hofgerichtsadvokaten den Öhrn auf dem Tübinger Rathaus, der ihnen als Vorbild dienen mochte.

Welcher Künstler die Grisaillen ausgeführt hat, wird wohl allerdings ihr Geheimnis bleiben. Jakob Züberlin, der Meister vom Rathaus-Öhrn, war 1607 schon gestorben. Er kann deshalb wohl kaum für die Arbeit in der Hafengasse in Anspruch genommen werden.

Die jetzt aufgedeckten Malereien werden in den kommenden Wochen gründlich restauriert. Denn sie sollen auch künftig als "Schaufenster zur Hausgeschichte" sichtbar bleiben.

Bericht: Udo Rauch
Fotos: cityinfonetz
  Der Turm der Stiftskirche ist um fast 15 Meter höher geworden.

Einige unserer Leser haben es sofort gemerkt, viele sind uns jedoch auf den Leim gegangen: Bei dem folgenden Artikel über den Mobilfunkmast auf dem Turm der Stiftskirche handelte es sich natürlich um einen Aprilscherz. Der mittels Photoshop auf den Kirchturm montierte Mast stammt vom Österbergturm (CIN-Magazin vom 19. März 2001), das Bild von den Bauarbeiten wurde bei der Renovierung im letzen Jahr aufgenommen (CIN-Magazin vom 27. März 2000). Das von uns etwas retuschierte Bild vom Protestplakat ist aktuell. Es hängt in der Froschgasse.

Mitten hinein in die heftige Diskussion um die Strahlungsgefahren der "Handy-Funktürme" innerhalb der Tübinger Wohngebiete platzte die Nachricht wie eine Bombe: Auf dem Turm der historischen Stiftskirche wurde bei (im wahrsten Sinne des Wortes) Nacht und Nebel ein Mobilfunkmast errichtet.


In den frühen Abendstunden begannen die Bauarbeiten.

Die Betreiber der Anlage begründeten das von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Genehmigungsverfahren und dessen außergewöhnlich rasche Umsetzung mit der unhaltbaren Situation für die Handy-Benutzer im Gebiet der Altstadt. Denn die hohen Häuser und verwinkelten Gassen würden einen akzeptablen Empfang nahezu unmöglich machen. Dies aber sei gerade angesichts der zur Zeit heftigst geführten Diskussion über die Attraktivität des historischen Stadtkerns für Handel und Gewerbe unabdingbar.

Die Anwohner zeigten sogleich ihren Unmut über die neue Turmspitze.

Dieses kompromisslose und rigorose Vorgehen der Mobilfunker wird sicherlich heftige Reaktionen bei den Masten-Gegnern hervorrufen. Ein durchaus positiver Aspekt in dieser Affäre soll jedoch nicht verschwiegen werden: Knapp die Hälfte der zu erwartenden Einnahmen ist für die Instandhaltung des von Holzwurmfraß bedrohten historischen Chorgestühles vorgesehen.

Die neue Silhouette der Altstadt erscheint stark gewöhnungsbedürftig.

Link zum Thema: Fotos + Bericht: cityinfonetz
  Die Rottenburger Tierschutzgruppe stellt sich vor.

Anfänglich aus einer privaten Initiative entstanden, ist die "Rottenburger AKTIVE Tierschutzgruppe: Tiere in Not" nunmehr seit Anfang des Jahres ein eingetragener Verein. Und dieser Tage wurde der inzwischen 30 Mitglieder zählenden Gruppe die Gemeinnützigkeit bestätigt.

Ein Vereins- bzw. Tierheim gibt es (noch) nicht. Die in Obhut genommenen Tiere verteilen sich auf rund 10 private Pflegestellen.

Tierpsychologin Nicole Kammerer (links) und die 1. Vorsitzende Roswitha Bailer.

Der neue Verein legt besonderen Wert auf den AKTIVEN Tierschutz, wie zum Beispiel die Soforthilfe bei ausgesetzten und verletzten Tieren, die Aufzucht und Vermittlung mutterloser Jungtiere und die kompetente Vermittlung aller Tierarten mit Tierschutzverträgen.

Für Tiere, die vom Verein in Pflege genommen wurden, kann bis zu deren Vermittlung eine sogenannte Patenschaft übernommen werden. Als Dankeschön für die Unterstützung in Form von Tätigkeits-, Geld- und Sachleistung gibt es übrigens eine Urkunde mit Bild des Patentieres.

Die Jugendgruppe mit zwei 16 Wochen alten Kampfhundwelpen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Jugendarbeit. Für das laufende Jahr hat die Jugendgruppe eine Menge an Aktivitäten rund um das Thema Tierschutz geplant. So will man gemeinsam die Wilhelma in Stuttgart und einen Wanderzirkus besuchen, Nisthilfen für Vögel und Spielzeug für Heimtiere bauen, und sogar eine eigene Jugendzeitung für den Tierschutz ist vorgesehen.

Das erste Treffen soll am 5. Mai 2001 um 16 Uhr in Tübingen - Hirschau auf dem Platz der Tübinger Hundeschule (Rittweg 53) stattfinden.

Die Tierschutzberaterin Frau Bönig ist für den Außendienst zuständig.

Die Rottenburger Tierschützer wollen jedoch nicht nur auf bereits vorhandene Probleme reagieren, sondern auch aktiv im Vorfeld aufklären und beraten. So sollen regelmäßig Themenabende stattfinden, die sich mit Problemen rund um den Tierschutz wie zum Beispiel mit der Kampfhundverordnung beschäftigen.

Und wie fast alle gemeinnützigen Vereine ist auch die Tierschutzgruppe auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen. Besonders dringend wird zur Zeit ein geeignetes Fahrzeug für den Einsatz im Tierschutz benötigt.

INFO: Weitere Auskünfte können unter 07472 - 281704 erfragt werden. Für dringende Fälle gibt es ein Beratungstelefon rund um die Uhr unter 07472-441314.
Der Mitgliedsbeitrag beträgt 50.- DM im Jahr, Schüler und Studenten bezahlen 30.- DM, Familien 80.- DM.
Näheres zu den Themenabenden gibt es auf der Website (Adresse siehe unten).

Link zum Thema: Fotos + Bericht:
cityinfonetz

 

Artikel versenden:
Ich würde gerne folgende(n) Artikel weiterempfehlen:
Wandmalereien im "Prinz Karl" entdeckt
Ein Funkmast auf dem Turm der Stiftskirche
Rottenburg hat jetzt einen Tierschutzverein

Mein Name:

Meine eMail:

Empfänger Name:

Empfänger eMail:

Kurze Nachricht:


 


© by cityinfonetz